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Das I in KI steht nicht für Intelligenz

Tobe
BlogVeröffentlich am 30.07.26, Tobias Lorsbach

Auch wenn es für einige schwer wird, diese Worte auszuhalten: Wenn du mir heute erzählst, dass das I in KI für Intelligenz steht, hast du entweder keine Ahnung oder du lügst.

KI-Tools sind großartig. Wirklich.

Ich sage das als jemand, der täglich damit arbeitet und nicht mehr ohne will. Vieles, was ich heute baue, hätte mich vor drei Jahren noch monatelange Arbeit gekostet. Heute braucht es Wochen, manchmal nur Tage, von der Idee bis zur Umsetzung. Oft entstehen Dinge, die vorher schlicht nicht möglich gewesen wären.

Das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein echter Produktivitätssprung.

Und trotzdem.

LLMs sind strunzdumm

Ein LLM ist, bei aller Liebe, ein sehr belesener Papagei mit Internetanschluss. Es sind I/O-Systeme. Das, was du reinschickst, kommt potenziert wieder raus. Der statistische Durchschnitt des Internets, aufgehübscht und flüssig formuliert. Zufälle bestätigen die Regel.

Der Energieaufwand für diese statistischen Berechnungen ist dabei so enorm, dass LLMs auf lokalen Geräten kaum flüssig laufen. Dein Laptop-Lüfter kann davon ein Lied singen. Der Trend geht Richtung OnDevice, wir hängen da nur noch hinterher, so wie ich beim Preisschild deiner letzten Grafikkarte.

Wer KI nutzt, um weniger zu arbeiten, kündigt sich selbst

Das ist keine Drohung, das ist Mechanismus. Wer diese Werkzeuge einsetzt, damit er weniger leisten muss, wird sich damit langfristig selbst ersetzen. Herzlichen Glückwunsch zur Eigenkündigung.

Nur wer damit seine eigene Leistung hebelt, zieht echten Nutzen daraus. Das ist der Unterschied zwischen einem Werkzeug und einer Krücke.

Innovation kommt nicht aus dem Prompt-Fenster

Alles, was ein LLM heute ausspuckt, ist das Ergebnis aus dem, was bereits existiert. Innovation kommt aus dem menschlichen Geist, nicht aus Wahrscheinlichkeitsberechnungen über Trainingsdaten. Sonst hätte uns ChatGPT schon längst ein neues Genre erfunden, statt zum tausendsten Mal denselben LinkedIn-Post mit 30 Emojis zu recyceln.

Wenn du wirklich Kreatives machen willst, hilft dir ein LLM höchstens bei der Ideenfindung, nicht beim fertigen Produkt. Und bei Kunst und Musik fange ich erst gar nicht an. Macht euch nicht lächerlich mit “Musik” aus Suno und Co.

Der AI-Bro-Unsinn muss aufhören

Ich bin es wirklich leid, diesen ganzen Hype-Content zu lesen. Besonders wenn Laien heute von der technologischen Singularität sprechen, die angeblich bald kommt, und davon, dass wir jetzt in ein neues Zeitalter eintreten. Skynet lässt grüßen, nur ohne Terminator, dafür mit schlechterer Rechtschreibung.

KI-Tools sind mega nützlich. Aber sie sind Tools. Kein Religionsersatz, kein Freifahrschein für den verfrühten Feierabend. Die Anforderungen sind mit KI gestiegen, nicht gefallen. Wer das noch nicht gemerkt hat, wird es noch merken.

Meine Prognose, und ich stehe dazu

Vor gut zwei Jahren habe ich hier KI-Agenten angekündigt und wurde schallend dafür ausgelacht. Es gäbe ja auch keine fliegenden Autos. Tja.

Heute kündige ich an: KI wird sich nicht so weiterentwickeln, wie viele glauben. Es wird sich sättigen und einpendeln. Software wird besser, aber der Sättigungspunkt ist bereits in Sichtweite. Von exponentiellem Wachstum ist schon jetzt weniger die Rede als noch vor zwölf Monaten.

KI ist nicht Intelligenz. Und wird es, aufbauend auf den heutigen Konzepten, möglicherweise nie werden.

Kühlt euch lieber mal die Bimmel runter. Is heiß heute.

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