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Vibe Coding vs. Agentic Engineering: Der Unterschied, den derselbe Mann geprägt hat

Vibe Coding und Agentic Engineering (auch Agentic AI Engineering genannt) klingen ähnlich, sind aber grundverschieden. Der Unterschied liegt nicht im Tool, sondern in Verantwortung und Prozess. Mit echten Quellen, nicht geraten.

Tobe
BlogVeröffentlich am 29.08.26, Tobias Lorsbach

Am 2. Februar 2025 hat Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI, in einem Tweet den Begriff “Vibe Coding” geprägt: “Man gibt sich komplett den Vibes hin, vergisst, dass der Code überhaupt existiert.” Ein Jahr später sagt derselbe Karpathy, Vibe Coding sei inzwischen überholt, und schiebt einen neuen Begriff nach: Agentic Engineering, manchmal auch Agentic AI Engineering genannt. Gleicher Autor, entgegengesetzte Botschaft. Was genau unterscheidet die beiden Ansätze?

Vibe Coding: der Ursprungsbegriff

Der Entwickler und einflussreiche KI-Blogger Simon Willison, eine der präzisesten Stimmen in diesem Themenfeld, bringt es so auf den Punkt: Bei Vibe Coding schaust du dir den erzeugten Code gar nicht erst an. Du musst nicht mal wissen, wie man programmiert. Willisons eigene Einordnung dazu ist eindeutig: Für private Spielereien, bei denen im schlimmsten Fall nur du selbst betroffen bist, völlig in Ordnung. Für Software, auf die andere Menschen sich verlassen, nennt er es wörtlich “grob verantwortungslos”.

Agentic Engineering: derselbe Werkzeugkasten, andere Rolle

Karpathys eigene Abgrenzung, mit der er den neuen Begriff einführt: Vibe Coding bedeutet, zu beschreiben was du willst und zu akzeptieren was zurückkommt. Agentic Engineering bedeutet, das System selbst zu entwerfen, Randbedingungen festzulegen, und KI einzusetzen, um eine Umsetzung zu beschleunigen, die du bereits selbst durchdacht hast.

Willison beschreibt die professionelle Seite davon so: Du bist Software-Ingenieur, du verstehst Sicherheit, Wartbarkeit, Betrieb und Performance, und genau dieses Verständnis bringst du weiterhin ein, während die KI dir die mühsame Tipparbeit abnimmt. Das Ziel ist explizit nicht “schneller irgendwas bauen”, sondern “bessere Software schneller bauen”.

Der eigentliche Unterschied liegt nicht im Werkzeug

Das ist der Punkt, den viele Vergleiche verkürzen: Es kann dieselbe KI, derselbe Agent, dasselbe Terminal-Tool sein. Der Unterschied liegt in deiner Rolle dabei. Ein treffendes Bild aus der Debatte um die beiden Begriffe: Bei Vibe Coding bist du der Prompt-DJ, der Stimmung auflegt und schaut, was passiert. Bei Agentic Engineering bist du der Projektleiter, der die Architektur verantwortet, die Qualitätsansprüche festlegt und am Ende für die Korrektheit geradesteht.

Praktisch zeigt sich das im Ablauf. Agentic Engineering startet in der Regel mit einer Spezifikation oder einem Konzeptdokument, definiert die Architektur vorab, und teilt die Arbeit in klar abgegrenzte, überprüfbare Aufgaben. Vibe Coding überspringt genau diese Schritte, Entwurf, Review, Tests, was in einem privaten Prototyp egal ist und bei Produktivsoftware zum eigentlichen Problem wird.

Eine griffige Faustregel aus derselben Debatte: Vibe Coding ist der Prototyp-Workflow, Agentic Engineering ist der Produktions-Workflow. Die meisten professionellen Software-Projekte gehören in die zweite Kategorie, die meisten privaten Hobby-Projekte in die erste.

Die Warnung, die auch für Profis gilt

Willisons eigentliche Sorge geht noch weiter: Die beiden Kategorien verschwimmen zunehmend, auch bei erfahrenen Entwicklern. Je öfter unreviewten Code trotzdem funktioniert, desto mehr Vertrauen entsteht, bis irgendwann auch Profis anfangen, generierten Code durchzuwinken, ohne ihn wirklich zu prüfen. Er nennt das eine “Normalisierung der Abweichung”: jede unkontrollierte Ausnahme, die gut ausgeht, senkt die Hemmschwelle für die nächste. Das Paradox dabei: genau die Werkzeuge, die professionelles Arbeiten beschleunigen sollen, untergraben durch angesammelte Gewohnheit langsam genau die Standards, die sie eigentlich stärken sollten.

Was das für dich bedeutet, wenn du selbst mit KI baust

Die Unterscheidung ist kein akademisches Wortspiel, sie entscheidet direkt darüber, wie sicher, wartbar und zukunftsfähig das ist, was am Ende bei dir rauskommt. Ich arbeite selbst nach genau diesem Prinzip: Agentic AI als Hebel, nicht als Ersatz fürs Verstehen, jede Zeile Code, die eine KI für mich schreibt, kann ich lesen und nachvollziehen. Was ein reiner Vibe-Coding-Prototyp technisch typischerweise noch fehlt, um sicher, DSGVO-konform und wartbar zu werden, hab ich ausführlich in Vibecoding Cleanup aufgeschlüsselt, und wenn du erst mal die schnellsten, selbst umsetzbaren Korrekturen suchst, findest du die in Vibe Coding: 5 Quick-Fixes. Was der Begriff Vibe Coding an sich genau umfasst, steht ausführlicher in Vibecoding: Was es ist.

Vibe-Coding 2 Enterprise

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