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Was KI nicht ersetzen kann, und warum dein Urteil zählt

Tobe
BlogVeröffentlich am 05.05.26, Tobias Lorsbach

Was KI nicht ersetzen kann, und warum dein Urteil zählt

Ich benutze KI täglich. Code-Drafts, Recherche, erste Entwürfe, Zusammenfassungen. Die Tools sind gut geworden, wirklich gut. Wer das noch leugnet, hat in den letzten zwei Jahren nicht aufgepasst.

Aber es gibt eine Grenze. Und die wird gerne übersehen, besonders von Leuten, die Webentwicklung gerade zum ersten Mal mit KI ausprobieren und denken: das war’s. Fertig. Brauche ich keinen Entwickler mehr.

Ich schreibe das nicht um meinen Job zu verteidigen. Ich schreibe es, weil ich nach 20 Jahren in diesem Beruf gelernt habe, was wirklich zählt, und was nicht.

Was KI wirklich gut kann

Lass mich ehrlich anfangen. KI ist in vielen Bereichen besser als ich. Schneller, konsistenter, nie müde.

Zusammenfassungen. Gib ihr 40 Seiten Dokumentation und du hast in 10 Sekunden die wichtigsten Punkte. Das ist echte Zeitersparnis.

Erste Entwürfe. Ein Blogpost-Gerüst, ein erster Codebaustein, eine E-Mail-Vorlage. Der erste leere Bildschirm ist erledigt. Das ist nicht wenig.

Recherche. Schnell einen Überblick über ein Thema bekommen, das man nicht kennt. Gut für die Orientierung, nicht für die Tiefe.

Analyse. Datenmuster in strukturierten Tabellen finden, Code auf Fehler prüfen, Log-Dateien durchsuchen.

Berichte. Aus Rohdaten lesbare Zusammenfassungen machen. Wunderbar.

Code generieren. Boilerplate, Standard-Komponenten, wiederkehrende Muster. Ich würde lügen wenn ich sagte, ich schreibe das alles noch von Hand.

Das ist keine kleine Liste. KI hat meinen Workflow deutlich verändert. Zum Besseren.

Wo KI scheitert, ohne dass du es merkst

Hier wird es interessant. Denn KI scheitert nicht laut. Sie scheitert leise. Sie gibt dir eine Antwort, die klingt wie die richtige, und ist es nicht.

Schwache Signale wahrnehmen. Ein Kunde sagt im Briefing beiläufig: “Wir haben letztes Jahr einen Relaunch gemacht, der nicht so toll gelaufen ist.” KI liest das als Faktum. Ich höre: da steckt eine Geschichte drin, ein Schmerz, eine Erwartung die ich besser verstehe bevor ich anfange. Das ist der Unterschied zwischen einer Website die funktioniert und einer die wieder nicht funktioniert.

Muster hinter den Zahlen erkennen. Eine Seite hat 80% Absprungrate auf der Kontaktseite. KI sagt: “Das Formular könnte optimiert werden.” Ich weiß aus Erfahrung: meistens liegt es nicht am Formular. Es liegt daran, dass die Seite davor eine falsche Erwartung geweckt hat. Das Formular ist nur wo der Schmerz sichtbar wird.

Kontext aus 20 Jahren einordnen. Ich habe Projekte gesehen, die auf dem Papier perfekt geplant waren und in der Realität gescheitert sind. Ich habe Technologien kommen und gehen sehen. Ich weiß: der Stack der heute hip ist, kann in drei Jahren das nächste WordPress-Problem sein. KI hat keinen Kontext. Sie hat Trainingsdaten.

Empfehlung von teurem Fehler unterscheiden. KI gibt dir was du fragst. Wenn du die falsche Frage stellst, bekommst du die falsche Antwort, präzise und zuversichtlich formuliert. Ich weiß, wann ich nein sagen muss. Wann ein Budget falsch kalkuliert ist. Wann ein Scope unrealistisch ist. Das ist nicht Pessimismus. Das ist der Unterschied zwischen einem Dienstleister und einem Partner.

Verantwortung übernehmen. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. KI übernimmt keine Verantwortung. Wenn das Ergebnis falsch ist, war es die falsche Eingabe, das falsche Modell, der falsche Kontext. Es gibt niemanden der sagt: das war mein Fehler, ich fixe das. Ich schon.

Entscheiden ohne vollständige Daten. Die meisten wichtigen Entscheidungen in Projekten passieren in Situationen wo die Datenlage unvollständig ist. Budgetentscheidungen. Technologie-Entscheidungen. Scope-Entscheidungen. KI wartet auf vollständige Daten, oder halluziniert die fehlenden. Ich entscheide trotzdem. Aus Erfahrung.

Was das für dich bedeutet

Wenn du eine Website willst die gut aussieht und die Lighthouse-Werte erfüllt, dann kannst du heute mit einem guten Prompt und etwas Zeit sehr weit kommen.

Wenn du eine Website willst, die deine Marke trägt, die deine Kunden wirklich anspricht, die in drei Jahren noch funktioniert und nicht wie tausend andere aussieht, dann brauchst du jemanden der diese Fragen stellt, bevor er anfängt zu bauen.

KI generiert. Erfahrung entscheidet.

Ich benutze beides. Das ist kein Widerspruch, das ist der Punkt.


Tobias Lorsbach baut seit 2003 Websites für Unternehmen die wissen was sie wollen. Ohne KI-Hype und ohne KI-Angst.

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